Notgroschen – Wie viel Geld brauche ich wirklich?

Strategien mit Kurswachstum oder Dividenden, Notgroschen

Es gibt Themen über die wollte ich eigentlich nicht schreiben. Deshalb wollte ich auch über den banalen Notgroschen ursprünglich überhaupt nicht schreiben. Das Thema gehört schließlich zu den ersten Finanzregeln, die man im Internet findet. In der Regel wird erklärt, dass man 3 Monatsgehälter zurücklegen sollte. Einfach au das Tagesgeld packen und fertig.
Trotzdem schreibe ich jetzt darüber. Denn ich habe mir nun mal weitere Gedanken darüber gemacht. Irgendwie teile ich nicht immer so ganz diese Meinung. Dabei geht es für mich gar nicht um die Frage, ob drei Monatsgehälter richtig oder falsch sind. Viel spannender ist die

Frage dahinter: Warum sollte für völlig unterschiedliche Menschen überhaupt dieselbe Faustregel gelten? Genau dort wird es interessant. Denn der persönliche Bedarf hängt von weit mehr Faktoren ab als vom eigenen Monatsgehalt.

Für Schnellleser – Thema: Notgroschen

  • Die bekannte Faustregel hilft, bildet aber nicht jede Lebenssituation ab.
  • Einkommen, Familie und Besitz verändern den tatsächlichen finanziellen Bedarf.
  • Zusätzliche Cashreserven erfüllen nebenbei einen weiteren wichtigen Zweck.
  • Entscheidend ist deshalb das persönliche Risiko statt eine starre Zahl.

Was eigentlich sonst so alles über den Notgroschen geschrieben wird

Zunächst ist die Empfehlung ziemlich einfach. Ein Notgroschen soll unerwartete Ausgaben abfedern und kurzfristige finanzielle Engpässe überbrücken. Deshalb empfehlen viele Ratgeber eine sichere und schnell verfügbare Rücklage. Die Verbraucherzentrale nennt aktuell 2 bis 3 Monatsgehälter als Daumenregel.

Allerdings setzen andere bekannte Finanzportale den Rahmen etwas höher. Finanztip empfiehlt da schon eher 3 bis 6 Nettomonatsgehälter. Auch Finanzfluss nennt diese Zahl an Monatsgehälter oder Monatsausgaben. Und auch einige Banken bewegen sich ebenfalls in diesem Bereich der Anzahl von Monatsgehältern.

Damit ist die Grundidee schnell zusammengefasst: Geld für Notfälle zurücklegen, sicher aufbewahren und dann auch nicht für normale Ausgaben verwenden. Zu solchen Ausgaben zählen beispielsweise eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur oder andere ungeplante Kosten. Gleichzeitig soll der Notgroschen verhindern, dass du dafür einen Kredit aufnehmen oder langfristige Geldanlagen verkaufen musst.

Einige gehen bereits einen Schritt weiter

Und kommen dadurch auch näher an meinen Gedanken. Hier wird es interessanter. Einige Ratgeber betrachten den Notgroschen inzwischen nicht mehr ausschließlich anhand einer festen Zahl. Sie beziehen beispielsweise die persönlichen Ausgaben, familiäre Verpflichtungen oder die Sicherheit des Einkommens ein. Damit wird bereits deutlich, dass ein identischer Notgroschen nicht für jeden Menschen gleich sinnvoll sein muss.

Auch die Lebenssituation spielt dabei eine größere Rolle. Wer hohe monatliche Verpflichtungen hat, benötigt möglicherweise einen größeren Puffer als jemand mit wenigen Fixkosten. Ebenso kann ein unsicheres Einkommen eine höhere Reserve sinnvoll machen. Damit entfernen sich diese Ansätze bereits von der reinen Drei-Monats-Regel und nähern sich einer individuellen Betrachtung.

Trotzdem geht mir das noch nicht weit genug. Denn neben Einkommen und laufenden Ausgaben gibt es weitere Risiken, die deine finanzielle Sicherheit beeinflussen können. Genau deshalb würde ich die Frage noch grundsätzlicher stellen: Welche Faktoren bestimmen eigentlich, wie viel finanziellen Spielraum du wirklich brauchst?

Strategien mit Kurswachstum oder Dividenden, Notgroschen

Wie würden also ich das Thema Notgroschen betrachten?

Genau hier beginnt unser Ansatz. Wir würden nicht mit einer bestimmten Monatszahl starten. Stattdessen würden wir zunächst die persönliche Lebenssituation und die daraus entstehenden finanziellen Risiken betrachten. Denn ein Notgroschen soll letztlich genau diese Risiken abfedern.

Dabei geht es nicht darum, jedem Faktor einen bestimmten Eurobetrag zuzuweisen. Vielmehr wollen wir erkennen, wo bei einer Person besondere Risiken liegen und welche davon bereits anderweitig abgesichert sind. Erst danach lässt sich sinnvoll einschätzen, wie viel zusätzliche Liquidität tatsächlich notwendig ist.

Für meine Betrachtung würde ich deshalb folgende Punkte prüfen:

  • Haushalt: Single, Paar oder Familie
  • Familiengröße: Anzahl der Personen und tatsächliche finanzielle Abhängigkeiten
  • Alter: Lebensphase, verbleibende Erwerbszeit und Nähe zum Ruhestand
  • Gesundheit: persönliche Belastbarkeit und mögliche längere Ausfallzeiten
  • Einkommen: Höhe, Stabilität und Anzahl der Einkommen
  • Beruf: Kündigungsrisiko, Nachfrage nach der eigenen Qualifikation und Wiedereinstieg
  • Wohnsituation: Miete, Eigenheim oder vermietete Immobilien
  • Schulden: insbesondere laufende Immobilienfinanzierungen
  • Mobilität: Auto notwendig oder verzichtbar
  • Besitz: Alter und Zustand von Auto, Heizung, Haushaltsgeräten und Immobilie
  • Versicherungen: Welche Risiken sind bereits anderweitig abgesichert?
  • Vermögen: weitere liquide Mittel und investiertes Vermögen
  • Cashreserve: bewusst zusätzlich gehaltene Liquidität
  • Persönliches Sicherheitsbedürfnis: die subjektive Komponente

Beispiel: Drei Lebenssituationen, drei unterschiedliche Risiken

Drei Menschen können dieselbe Empfehlung von beispielsweise drei Monatsgehältern erhalten. Trotzdem können ihre tatsächlichen finanziellen Risiken völlig unterschiedlich aussehen. Deshalb betrachten wir drei vereinfachte Fälle: zwei Extreme und eine durchschnittliche Situation.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, für jede Lebenssituation einen exakten Eurobetrag zu errechnen. Wir prüfen vielmehr, welche Risiken vorhanden sind und ob die häufig genannte Faustregel unter diesen Voraussetzungen plausibel erscheint.

Beispiel 1:

Sehr geringe finanzielle Risiken

  • Single
  • keine Kinder und keine finanziellen Abhängigkeiten
  • junges bis mittleres Erwerbsalter
  • sehr sicherer Arbeitsplatz
  • gefragte berufliche Qualifikation
  • ein stabiles Einkommen
  • geringe monatliche Fixkosten
  • Mietwohnung
  • keine Immobilienfinanzierung
  • keine größeren Schulden
  • kein eigenes Auto notwendig
  • neuere Haushaltsgeräte und sonstiger Besitz
  • gute Versicherungsabsicherung
  • weitere liquide Rücklagen vorhanden

Beispiel 2:

Durchschnittliche finanzielle Situation

  • Paar mit zwei Kindern
  • vier Personen im Haushalt
  • zwei Einkommen
  • grundsätzlich stabile Arbeitsverhältnisse
  • normale monatliche Fixkosten
  • Eigenheim
  • laufende Immobilienfinanzierung
  • ein notwendiges Auto
  • durchschnittlicher Zustand von Fahrzeug und Haushaltstechnik
  • keine außergewöhnlich hohen Schulden
  • übliche Versicherungen
  • etwas zusätzliches Vermögen vorhanden
  • begrenzte weitere Cashreserven

Beispiel 3:

Hohe finanzielle Risiken

  • Familie mit mehreren Kindern
  • nur ein wesentliches Einkommen
  • höhere monatliche Fixkosten
  • weniger sicherer Arbeitsplatz
  • schwieriger Wiedereinstieg bei einem Jobverlust
  • Eigenheim mit hoher Finanzierung
  • zusätzlich notwendige Mobilität mit zwei älteren Fahrzeugen
  • ältere Heizung und weitere größere Anlagen
  • mögliche finanzielle Abhängigkeiten innerhalb der Familie
  • wenig zusätzliche liquide Mittel
  • nur begrenzte weitere Vermögensreserven
  • Versicherungen decken nicht jedes relevante Risiko ab

Beispiel 1: Hier treffen mehrere Sicherheitsfaktoren zusammen. Die Person muss im Ernstfall nur den eigenen Lebensunterhalt sichern. Gleichzeitig sind die laufenden Kosten überschaubar und ein Arbeitsplatzverlust dürfte aufgrund der gefragten Qualifikation nicht automatisch zu einem langen Einkommensausfall führen. Außerdem stehen weitere liquide Mittel zur Verfügung. Ergebnis: Drei Monatsgehälter könnten hier durchaus ausreichen. Unter diesen Voraussetzungen wäre sogar denkbar, dass ein geringerer klassischer Notgroschen ausreicht. Die entscheidende Frage ist dabei nicht das Gehalt, sondern das geringe persönliche Gesamtrisiko.

Beispiel 2: Hier sieht die Situation bereits anders aus. Die Familie verfügt zwar über zwei Einkommen und damit über eine gewisse Absicherung. Gleichzeitig laufen die Kosten auch bei einem Einkommensausfall weiter. Hinzu kommen das Eigenheim, die Finanzierung und das notwendige Fahrzeug. Außerdem können bei vier Personen unerwartete Ausgaben schneller auftreten. Ergebnis: Drei Monatsgehälter können hier ein sinnvoller Ausgangspunkt sein. Ob sie tatsächlich reichen, hängt allerdings stark von den monatlichen Fixkosten und den zusätzlichen Rücklagen ab. Gerade bei einem Eigenheim würde ich deshalb nicht allein auf die Faustregel vertrauen.

Beispiel 3: Hier kommen mehrere Risiken gleichzeitig zusammen. Ein Einkommensausfall würde nicht nur den eigenen Lebensunterhalt betreffen. Gleichzeitig laufen Finanzierung, Mobilität und weitere Haushaltskosten weiter. Treffen dann zusätzlich eine größere Reparatur und ein längerer beruflicher Wiedereinstieg zusammen, kann eine kleine Reserve sehr schnell aufgebraucht sein. Ergebnis: Drei Monatsgehälter könnten hier deutlich zu wenig sein. Gerade die Kombination aus hoher finanzieller Verantwortung, laufenden Verpflichtungen, unsicherem Einkommen und wenig zusätzlicher Liquidität spricht für einen wesentlich größeren Puffer. Genau deshalb kann dieselbe Faustregel für diese Person eine völlig andere Bedeutung haben als für unser erstes Beispiel.


📌 Weiterlesen bei Kapitalfuchs

Der Notgroschen ist nur ein Teil deiner finanziellen Sicherheit. In den folgenden Beiträgen geht es deshalb um weitere Fragen, die damit zusammenhängen: Wie wertvoll ist dein Einkommen tatsächlich? Welche finanziellen Verpflichtungen entstehen durch Immobilie und Finanzierung? Wie solltest du Eigenheim und Miete betrachten? Und wie erkennst du bei Finanzthemen auf Social Media, welchen Aussagen du vertrauen kannst?
Außerdem geht es um den Unterschied zwischen Dividenden und Zinsen sowie um die Frage, was Verantwortung mit deinem finanziellen und persönlichen Leben macht. Die Beiträge helfen dir dabei, einzelne Aspekte deiner eigenen Situation genauer zu betrachten und deine finanziellen Entscheidungen besser einzuordnen.


Fazit zum Notgroschen

Unterm Strich sind zwei bis sechs Monatsgehälter eine brauchbare Orientierung. Sie geben vor allem einen einfachen Startpunkt für die eigene Planung. Allerdings beantwortet diese Zahl noch nicht die entscheidende Frage: Wie groß ist mein persönliches finanzielles Risiko?

Deshalb würde ich den Notgroschen nicht allein am Gehalt festmachen. Vielmehr würde ich Haushalt, Familie, Alter, Einkommen, Beruf, Wohnen, Schulden und Besitz gemeinsam betrachten. Zusätzlich zählen Versicherungen, weitere Rücklagen und das eigene Sicherheitsbedürfnis. So entsteht ein Bild, das deutlich näher an der tatsächlichen Lebenssituation liegt.

Kurz gesagt: Der richtige Notgroschen ergibt sich nicht aus einer magischen Monatszahl. Er ergibt sich aus deinem persönlichen Risiko. Genau deshalb gehört für mich auch Verantwortung zur finanziellen Planung. Was dieser Begriff mit deinem Leben macht, habe ich bereits ausführlicher im Beitrag „Verantwortung – was sie mit deinem Leben macht“ beschrieben.entscheidet weder die Followerzahl noch ein professionelles Video darüber, ob ein Finanz-Tipp gut ist. Entscheidend ist, ob die Aussage auch dann noch überzeugt, wenn man sie kritisch hinterfragt.


Strategien mit Kurswachstum oder Dividenden, Notgroschen

FAQ zum Notgroschen

Wie viel Geld sollte ein Notgroschen enthalten?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Häufig werden zwei bis sechs Monatsgehälter beziehungsweise Monatsausgaben als Orientierung genannt. Entscheidend sind jedoch deine persönlichen finanziellen Risiken und Verpflichtungen.

Wie berechne ich die richtige Höhe meines Notgroschens?

Du kannst zunächst deine monatlichen Fixkosten betrachten. Anschließend solltest du Familie, Einkommen, Beruf, Schulden, Wohnsituation und weitere finanzielle Risiken einbeziehen. So entsteht eine realistischere Einschätzung als mit einer pauschalen Monatszahl.

Reichen drei Monatsgehälter als Notgroschen?

Drei Monatsgehälter können ein sinnvoller Ausgangspunkt sein. Allerdings können sie für eine Familie mit hohen Verpflichtungen zu wenig sein. Umgekehrt benötigt ein Single mit sicheren Einnahmen und niedrigen Kosten möglicherweise weniger.

Sollte der Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto liegen?

Ja, denn das Geld sollte sicher und kurzfristig verfügbar sein. Deshalb eignet sich Tagesgeld besonders gut. Wertpapiere sind für diesen Zweck weniger geeignet, weil ihr Wert schwanken kann.

Was gehört alles zum Notgroschen?

Zum klassischen Notgroschen gehören Rücklagen für ungeplante und notwendige Ausgaben. Weitere Cashreserven für geplante Anschaffungen oder Börsenkorrekturen würde ich davon getrennt betrachten. Sie erhöhen trotzdem die finanzielle Handlungsfähigkeit.

Braucht eine Familie einen höheren Notgroschen?

Das kann der Fall sein. Allerdings entscheidet nicht allein die Familiengröße. Auch die Anzahl der Einkommen, laufende Verpflichtungen, Kinder, Immobilien, Mobilität und weitere Rücklagen spielen eine Rolle.

Muss ein Beamter weniger Notgroschen haben?

Ein sichereres Einkommen kann das Risiko eines längeren Einkommensausfalls reduzieren. Trotzdem bleiben unerwartete Ausgaben bestehen. Deshalb sollte auch hier die gesamte persönliche Situation betrachtet werden.

Ist ein Notgroschen auch bei einem großen Depot notwendig?

Ja. Ein Depot ersetzt keine kurzfristig verfügbare Liquiditätsreserve. Gerade bei fallenden Kursen kann ein Verkauf ungünstig sein. Der Notgroschen schafft deshalb finanziellen Spielraum unabhängig von der Börsenentwicklung.


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